Lightroom - Teil 2 - Entwickeln



Puh, endlich kommt der zweite Teil. Dafür ist er auch ziemlich lang geworden :)



Warum Entwickeln?

Lightroom ist eine Anspielung auf darkroom - die Dunkelkammer - da wir hier auch wie zu analogen Zeiten unsere Negative (Raw-Daten) erstmal entwickeln, bevor wir die Abzüge (jpeg) davon machen.

Ich gehe hier erstmal nur auf die Einstellungen ein, die man machen kann. Presets, Stapelverarbeitung und Export gibt es beim nächsten Mal :)

Kleines Vorwort: Oft habe ich beim Vorstellen der Einstellungen hier übertrieben, damit man den Unterschied direkt erkennt. Ich nutze es eigentlich viel subtiler ;)

Übersicht

Im unteren Panel befindet sich wieder der Filmstreifen, das linke Panel würde ich Organisationspanel nennen. Hier haben wir zum einen den Navigator, in dem das Bild als Übersicht gezeigt wird - auch wenn wir reinzoomen, sehen wir, wo wir uns befinden. Außerdem dient es als Vorschaubild für Presets. Genau diese befinden sich darunter, auf Deutsch natürlich mit "Vorgaben" betitelt - dazu im nächsten Teil mehr.
Das rechte Panel beinhaltet die Bearbeitung des Bildes an sich, also die Entwicklungseinstellungen. Darum geht es hier.




Histogramm

Ich hoffe den meisten unter euch ist ein Histogramm bekannt, falls nicht hier eine Kurzfassung:
Links sind die dunklen Stellen im Bild, rechts die hellen; die Höhe des Diagramms beschreibt die Häufigkeit der jeweiligen Helligkeit. Haben wir also einen Berg im linken Teil des Histogramms und der rechte Teil ist niedriges Flachland, so ist es ein eher dunkles Bild. Hört ein Berg direkt am rechten oder linken Rand auf, so sind einige Teile des Bildes "ausgebrannt" oder "abgesoffen" - also komplett weiß oder schwarz.
Bei Lightroom ist es praktisch, dass wir das Histogramm einfach "anfassen" und somit anpassen können - fahrt mit der Maus über das Histogramm und schaut, welche Stellen hervorgehoben werden. Ändert einfach mal das Histogramm und achtet auf das Bild, wie es sich verändert.
Aktiviert man links und rechts oben diese kleinen Dreiecke, bekommt man angezeigt, welche Stellen in vollkommenes schwarz oder weiß getaucht sind - diese Stellen sind dann blau bzw. rot - wie bei mir hier. Glücklicherweise ist in einem Raw-Bild mehr Information vorhanden als wir hier sehen, also kann ich diese Stellen weitgehend retten - in einem jpeg wäre das nicht möglich, die Stellen bleiben einfach weiß/schwarz.




Grundeinstellungen

Hinter den Grundeinstellungen verbergen sich u.a. auch Einstellungen, die ihr gerade beim Histogramm kennengelernt habt. Desweiteren habe ihr die Möglichkeit, euch gleich zu Beginn zwischen Farbe und Schwarzweiß zu entscheiden.
Weiter geht es mit dem Weißabgleich, den ihr entweder aus einem Dropdown-Menü, mit der Pipette links oder einfach mit Schiebereglern einstellen könnt.
Nun kommt ein wichtiger Teil, in dem ihr Belichtung / Kontrast / Tiefen / Lichter / Weiß- und Schwarzbeschneidung einstellen könnt. Hilfreich ist dies besonders bei Gegenlichtsituationen und Motiven mit hohen Kontrasten, hier könnt ihr besonders mit Tiefen/Lichter viel im Bild retten.
Nun folgen noch drei Regler, die ich alle drei gerne verwende:
Die Klarheit erhöht den Mikrokontrast, das Bild erhält mehr Struktur. Mit der Dynamik und Sättigung verändern wir die Farbstärke, wobei beide Regler etwas unterschiedlich sind. Die Dynamik verstärkt bevorzugt die wenig gesättigten Bereiche, während die Sättigung schlicht und einfach alles bunter macht.




Gradationskurve

Hier kommen wir zu einer erfreulichen Neuerung von LR4: Die Gradationskurve kann nun für jeden Farbkanal (RGB) einzeln verändert werden :)
Mit einem Klick auf das kleine quadratische Symbol in der rechten unteren Ecke kommen wir zu der Ansicht, die sich hier zeigt. Im Dropdownmenü wählen wir zwischen RGB (also nur Helligkeitsänderung) und den einzelnen Farbkurven und können diese nach Lust und Laune verändern. Hier habe ich zwar alle Kurven geändert, aber diese Blaukurve ist in abgeschwächter Form gerne von mir genutzt.
Man kann natürlich nicht nur die Endpunkte verändern, sondern neue Punkte setzen und mit den Farben spielen.




HSL - Farbe - SW

Der Himmel (Blautöne) dürfte etwas dunkler sein?
Die Haut (Orange-, Gelb- und Rottöne) zu pinkstichig und gesättigt?
Das Grün dürfte dunkler und farbintensiver sein?
Kein Problem, dafür gibt es die HSL-Regler.
H = Hue (Farbton), S = Saturation (Sättigung), L = Luminance (Helligkeit)
Ihr könnt die einzelnen Farbtöne entweder in der HSL-Ansicht (siehe Bild) oder einzeln nach Farbe bearbeiten.
Ich denke die Regler dürften selbsterklärend sein :)


Der Reiter "SW" bietet die Möglichkeit, einen besonderen Farbfilter für die SW-Umwandlung anzuwenden. Im Folgenden habe ich einfach zwei Möglichkeiten dargestellt:
Im Vorher-Bild sind Orange-, Gelb- und Rottöne dunkler, dafür Blautöne heller - im Nachher-Bild ist dies genau andersrum.




Teiltonung

Teiltonung ist ein simpler und doch interessanter Bereich in Lightroom. Hier können wir die hellen und dunklen Bereiche eines Bildes unterschiedlich einfärben. Eine Möglichkeit sind beispielsweise getönte Schwarzweißbilder (sepia) oder "retro" angehauchte Fotos mit blauen Tiefen und gelben Lichtern. Im Beispiel habe ich den Effekt natürlich wieder übertrieben, aber ihr seht einen schönen Übergang von kühlen Tiefen zu warmen cremigen Lichtern.




Details

Lightroom 4 ist sehr gut darin, Rauschen in den Griff zu bekommen. Während das linke Foto komplett unbearbeitet ist, habe ich rechts das Bild entrauscht. In dieser Ansicht sieht es zwar ein wenig matschig aus, doch sobald man es entwickeln lässt oder verkleinert im Web hoch lädt, ist eigentlich nichts mehr vom Rauschen zu sehen. Auf diese Weise bekommt die Kamera nochmals einen "Qualitätsboost", wie ich ihn nenne - selbst Bilder bei Iso 1600 und aufwärts sind nun absolut nutzbar und das lästige Farbrauschen (bunter Schneesturm!) ist auch nahezu komplett verschwunden.
Ebenfalls bei den Details seht ihr den Bereich Schärfen, in dem die Grundschärfe des Bildes eingestellt wird.




Objektivkorrekturen

... ist ein Bereich, den ich früher immer vernachlässigt habe.
Im ersten Bereich Profil können wir die Korrekturen aktivieren und automatisch wird unser benutztes Objektiv aus der Liste ausgewählt - manchmal funktioniert das aber nicht zuverlässig und wir müssen es selbst aussuchen. Eigentlich sollte mittlerweile jedes geläufige Objektiv hier vorhanden sein :)
Im zweiten Bereich Farbe - der neu bei LR4 ist - können wir Farbfehler beseitigen. Im Beispiel seht ihr Zweige vor einem ausgebrannten Himmel - ein Paradies für CAs (Chromatische Aberrationen). Diese entferne ich ganz einfach, indem ich erstmal die Korrektur mit einem Haken aktiviere, dann die Pipette auswähle und ganz genau auf solch einen Rand klicke.
Mit den Schiebereglern kann es noch verfeinert werden.
Chromatische Aberrationen tauchen oft an kontrastreichen Übergängen auf und können nicht immer vermieden werden.


Im letzten Bereich Manuell können wir noch - wie der Name sagt - manuell in die Korrektur eingreifen. Perspektivische Verzerrungen kommen oft vor, wenn wir einen Turm oder andere Gebäude von unten fotografieren. Profis nutzen hierfür Shift-Objektive, wir greifen auf Lightroom zurück. Für die Korrektur von solchen Türmen benutze ich hauptsächlich den Regner "Vertikal" :)




Effekte

Wer sagt, dass wir ohne "Special Effects" auskommen? Sehr beliebt sind eine Vignettierung, welche die Ecken abdunkelt und eine künstliche Körnung, die analoge Filme simulieren soll. Da ist zwar noch Verbesserungsbedarf für kommende LR-Versionen, jedoch subtil eingesetzt schon ganz nett :)




Kamerakalibrierung

In diesem Bereich kann man verschiedene Profile aussuchen, wie die Farben der Kamera von Lightroom interpretiert werden sollen. Da es etwas Raw-spezifisches ist, kann dies nicht bei jpeg-Bildern angewandt werden. Ein Profil von ACR (Adobe Camera Raw) und Adobe Standard sollten immer vorhanden sein, sowie spezifische Profile der jeweiligen Kamera. Da ich eine Nikon habe, habe ich hier drei verschiedene D2X-Modi und fünf weitere Kameraprofile (Landscape, Portrait, Standard, Neutral, Vivid) zur Auswahl. Teilweise unterscheiden sich die Profile nur in Nuancen, Ausprobieren ist hier eine gute Herangehensweise.
Hat man sich für ein Profil entschieden, so lohnt ein Blick auf die Feineinstellung. Sind die Hauttöne zu pink? Dann verschieben wir einfach den Farbton leicht ins orange und nehmen evtl. noch ein wenig die Sättigung heraus.




Freistellen und Ausrichten

Nun widmen wir uns der Leiste unter dem Histogramm, welche immer sichtbar ist.
Hier befinden sich von links nach rechts: Freistellen, Stempel, rote-Augen-Korrektur, Verlaufsfilter und der Pinsel.
Freistellen und Ausrichten ist recht simpel - wie wählen ein Seitenverhältnis aus, ziehen den Rahmen nach unseren Belieben, verschieben ihn (eigentlich verschiebt man das Bild unterhalb des Rahmens - verwirrend am Anfang) und drehen ihn (Maus außerhalb des Rahmens).
Klickt mal auf "O" (den Buchstaben ;) ) - die Hilfslinien im Rahmen ändern sich und bieten mögliche Kompositionshilfen :)




Kopierstempel

Der nächste Punkt ist der Kopierstempel. Für kleine Korrekturen, Pickelchen, Sensorflecken eignet sich dieser ganz gut :) Einfach die Größe & Deckkraft einstellen, auf die ungewünschte Stelle klicken und LR sucht sich die Stelle aus, die nun darüber kopiert wird - man kann es natürlich noch verschieben.




Rote Augen Korrektur

Selbsterklärend, hier können wir rote Augen korrigieren - einfach die Größe einstellen, auf das Auge klicken und anpassen. Da ich keine Bilder mit roten Augen habe, muss hier mal das Auto herhalten ;)




Verlaufsfilter

Der Verlaufsfilter und der Pinsel (nächster Abschnitt) haben im Grunde viel gemeinsam, abgesehen von der Tatsache, dass beim Verlaufsfilter nur lineare Verläufe mit unterschiedlichen Ausrichtung möglich sind, während man beim Pinsel einfach alles "anmalen" kann, was hier geändert werden soll.

Im Grunde können wir Teile eines Bildes mit den schon bekannten Einstellungen (Weißabgleich, Belichtung, Kontrast, Lichter, Tiefen, Klarheit, Sättigung, Schärfe, Rauschen entfernen) verändern, darüber hinaus gibt es ebenfalls die Möglichkeit Moiré oder Chromatische Aberrationen ("Rand entfernen") gezielt zu reduzieren. Als letzten Punkt kann man dem Verlaufsfilter noch eine Farbe zuweisen, die standardmäßig auf transparent steht.

Ich nutze es oft, um einen Lichteinfall zu simulieren (Weißabgleich wärmer, alles heller und bunter) oder einen zu hellen Himmel wieder abzudunkeln. Es gibt sehr viele Möglichkeiten :)




Maskieren (Pinsel)

Genau wie der Verlaufsfilter hat der Pinsel viele Möglichkeiten, das Bild gezielt zu ändern. Im Beispielbild habe ich dunkle Stellen aufgehellt und den Weißabgleich auch ein wenig erhöht.
Hier ist es von Vorteil, wenn man ein Grafiktablet hat, dann kann man nach Lust und Laune das Bild "bemalen" ;)
Praktisch für dunkle Stellen im Bild, Augenringe aufzuhellen, nur den Kontrast im Portrait zu ändern, nicht außenrum...




Ergebnis

Nun, was soll ich sagen - es war vorher nur ein Schnappschuss, das ist es auch immer noch - aber manchmal ist es schon erstaunlich, was man aus einigen Bildern rausholen kann.



In manchen Punkten ist das ein wenig knapp, aber ich möchter hier ja auch keine Bedienungsanleitung schreiben ;)

Fragen?
Ich versuche so viel wie möglich in den Kommentaren zu beantworten :)

13 Kommentare

  1. Mmmh, bin selbst gar kein Fan von Bildbearbeitung und lasse am liebsten alles wie gehabt - find ich irgendwie ehrlicher und so... - naja, bin eben ein Nostalgiefreak.
    Aber die Bearbeitung ist ja auch eine Kunst für sich und man kann wirklich total viel damit machen. Sehr beeindruckend und anschaulich erklärt.
    LG
    Christiane

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    1. Da scheiden sich die Geister und die Meinungen :)
      Ich bin der Meinung, dass es nichts mit Nostalgie etc. zu tun hat, sondern eher mit Purismus. Was man damals beim Entwickeln des Films alles machen konnte, das kann man nichtmals mit Lightroom erreichen. Eigentlich spiegelt es in vielen Dingen und Einstellungen erst Recht die analoge Filmentwicklung wider ;)

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  2. Wirklich toll und du hast mich dazu verleitet auch mal andere Einstellung in Lightroom auszuprobieren! :)

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  3. Das ist ein echt starkes Tool und unverzichtbar im professionellen Bereich ;-)
    Bei Beitrag ist dabei auch super ;-)

    Liebe Grüße
    Ladeneinrichtung kaufen

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  4. Wirklich eine tolle Anleitung. Vielleicht setze ich mich tatsächlich mal mit Lightroom auseinander, die vielen Features haben mich bisher etwas abgeschreckt. Aber es scheint tatsächlich Sinn zu machen, die Bilder vorm PS-bearbeiten mit Lightroom zu entwickeln.

    Liebe Grüße
    Lisa von Mein Feenstaub

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  5. Richtig toller Post, der alles sehr anschaulich erklärt. :) Ich habe Lightroom zu Ostern bekommen und taste mich nun so langsam heran, wobei ich sagen muss, dass man den Dreh echt schnell raus hat. Zuvor habe ich immer mit Gimp bearbeitet (hauptsächlich mit den Farbkurven), aber mit Lightroom ist das nochmal etwas ganz anderes. :) Das mit dem Verlaufsfilter muss ich auch mal ausprobieren!

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  6. Huhu

    toller Beitrag! Aber wenn man Photoshop CS6 hat braucht man das denn? Kann man mit Photoshop nicht auch RAW Datein bearbeiten? Ich weiß das noch nicht, weil ich mich erst im Sommer einarbeite damit.

    Würde mich eine Antwort freuen! :)

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    1. Schau mal hier: http://www.copypastelove.org/2013/02/ein-subjektiver-bericht-uber-lightroom.html
      Diese Möglichkeit hast du bei PS nicht. Im dritten Teil geht es um Presets, das gibt es bei PS meines Wissens nach auch nicht. Viele Fotografen arbeiten mit beiden Programmen, weil sie sich perfekt ergänzen - auch wenn sie sich ein wenig überschneiden.

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  7. schönes Tutorial!!


    Und ich wollte nur mal loswerden - das neue design ist sooooo hübsch!

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  8. Das sieht so toll aus!

    Momentan läuft bei mir die Aktion: Blog of the Month. Schau doch mal vorbei :)

    my blog xx

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  9. Hallo,
    finde die beiden Beiträge zu Lightroom sehr nützlich, da ich selbst auch fotografiere und schon längere Zeit mit dem Gedanken spiele, mir Lightroom zu kaufen. Die Schritt für Schritt (bzw. Werkzeug für Werkzeug) Anleitungen sind echt klasse, damit kann man sich gleich viel mehr ein Bild davon machen.
    Kannst du mir vielleicht noch sagen, wie oft du die Bildbearbeitung wirklich nutzt? Ist das eher so eine regnerischer-Sonntag-Arbeit oder doch eher etwas, was man mit der Zeit richtig passioniert betreiben kann?
    Freue mich schon auf den nächsten Teil. :)

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